Gabriel’s neuer Alltag on the road

Stefanie: Wie heißt du und wie alt bist du?

Gabriel: Mein Name ist Gabriel und ich bin 33 Jahre alt.

Stefanie: Woher kommst du ursprünglich?

Gabriel: Aus Argentinien.

Stefanie: Wie lange lebst du schon hier in Österreich?

Gabriel: Seit 10 Monaten, fast 11.

Stefanie: In welchem Beruf arbeitest du?

Gabriel: Ich arbeite in der Klimatechnik. Ich bin noch kein Facharbeiter, aber ich werde die Ausbildung dazu in ein paar Monaten machen.

Stefanie: Arbeitest du in Graz?

Gabriel: Ja, in Graz, aber auch in ganz Österreich, wie zum Beispiel in Wien oder Linz. Wir arbeiten auch im Ausland, aber da war ich bisher noch nicht.

Stefanie: Wie lange bist du dann unterwegs? Ein paar Tage, ein paar Wochen?

Gabriel: Ja, wir fahren montags los. Sobald wir beim Arbeitsplatz angekommen sind, legen wir sofort los.

Die Firma bucht ein Hotel, in dem wir dann schlafen. Wenn das der Fall ist, arbeiten wir nur von Montag bis Donnerstag und am Freitag haben wir frei.

Stefanie: Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus? Wann fängst du an, wie lange arbeitest du?

Gabriel: Hier ein Beispiel von dieser Woche: Ich habe am Montag zu arbeiten angefangen. Wir haben uns morgens in der Zentrale in Graz getroffen und sind von dort mit dem Firmenwagen gestartet. Gegen 10.15 Uhr sind wir in Linz angekommen und haben bis 16.00 Uhr gearbeitet. Wenn wir eine Pause machen, arbeiten wir bis 16.45 Uhr. Wenn wir keine Pause machen, arbeiten wir bis 16.00 Uhr. Überstunden werden gutgeschrieben, entweder als Freizeitausgleich oder wir bekommen sie ausgezahlt. Und dann geht’s ab ins Hotel. Normalerweise arbeiten auch andere Kollegen-Teams in der Gegend, in der wir auch gerade sind. Wir essen gemeinsam, plaudern eine Weile und dann geht’s ins Hotel zum Schlafen.

Stefanie: Wie groß sind die Teams, in denen du arbeitest?

Gabriel: Im Unternehmen arbeiten ca. 50 Personen. Wenn wir unterwegs sind, arbeiten wir immer in Zweier-Teams. Normalerweise erhalte ich donnerstags oder freitags eine Mail mit dem Dienstplan für die kommende Woche. Dann weiß ich auch, mit wem ich in der Folgewoche ein Team bilde und in welchem Ort oder welcher Stadt wir arbeiten. Ich mag es sehr, dass die Teams wechseln. Jeder Tag und jede Woche ist/sind anders.

Stefanie: Was gefällt dir an der Arbeit am besten?

Gabriel: Was mir gefällt, ist, dass wir mit sehr unterschiedlichen Unternehmen zusammenarbeiten. Manchmal geht man in eine Bäckerei, manchmal in eine Fabrik. Ein anderes Mal geht man in ein Familienhaus, um eine Klimaanlage zu installieren. Das ist es, was mir gefällt: Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich.

Stefanie: Du triffst wahrscheinlich auch viele sehr unterschiedliche Menschen, oder?

Gabriel: Ja. Die Menschen sind sehr nett. Bei Familien habe ich immer sehr gute Erfahrungen gemacht. Es ist mir bis heute nie passiert, dass ich mich in einem Haus fremd oder unwohl gefühlt habe. Im Gegenteil, sobald man ankommt, wird einem etwas zu essen oder trinken angeboten. Die Leute sind ständig aufmerksam, sie schauen nach, ob es dir gut geht. Das ist super nett.

Stefanie: Welche Aufgaben sind für dich eine Herausforderung und wie gehst du damit um?

Gabriel: Die Sprache ist eine Barriere. Am Anfang wollte ich schnellere Ergebnisse sehen, aber dann habe ich gemerkt, dass es nicht so schnell geht und ich habe mich ein bisschen entspannt und es laufen lassen. Mit anderen Worten, ich habe dem Ganzen Zeit gegeben. Die Sprache ist meine größte Herausforderung. Eine Aufgabe bei der Arbeit selbst, die mir Unbehagen oder Stress bereitet, gibt es nicht.

Stefanie: Wie war dein Start hier in Österreich?

Gabriel: Es lief von Anfang an ganz gut, ich meine, ich mag Graz, weil es eine sehr ruhige Stadt ist. Sehr, sehr ruhig. Ich habe früher in Valencia, Spanien, gelebt, und da ist es auch sehr schön. Aber natürlich fährt man hier nicht mit der U-Bahn und es gibt keinen Lärm. Man geht auf die Straße und hört die Vögel zwitschern. Wenn es etwas gibt, das mich überrascht hat, dann ist es die Natur. Die Landschaften sind unglaublich. Daran kann ich mich nicht satt sehen. Ich spreche oft mit meinen Freunden, die auch aus Spanien kommen, darüber. Auch mit der Zeit sage ich noch nicht: „Ich habe mich an diesen Berg gewöhnt“. Ganz und gar nicht.

Stefanie: Hast du dich schon gut eingelebt und was hat dir geholfen, dich hier in Österreich gut einzuleben?

Gabriel: Das kommt für mich auf den Einzelnen an. Ich habe mir Leute gesucht. Ich habe einige Freunde, die aus Argentinien kommen. Es hilft etwas Zeit mit Leuten aus dem eigenen Land zu verbringen. Ich habe auch Freunde aus Spanien. Ich würde gerne mehr Österreicher kennenlernen, aber das ist etwas schwieriger.

Stefanie: Und das Arbeitsleben in Österreich ist so, wie du es dir vorgestellt hast?

Gabriel: Ja, in meinem Fall schon. Alles, was man mir über die Firma gesagt hat, ist eingetreten. In meiner Firma sind die Leute super nett. Wenn ich etwas brauche, sind sie da. Wenn ich einen Tag frei brauche, geben sie ihn mir. Ich könnte mir nicht mehr wünschen, ehrlich.

Stefanie: Wie hast du dich auf deinen Beruf in Österreich vorbereitet? Hast du außer dem Deutschkurs noch andere Kurse besucht?

Gabriel: Nein. Ich habe bereits davor mit Solarwänden gearbeitet. Das ist nicht das Gleiche, es ist ein bisschen anders, aber man hat eine Idee worum es geht. Die verwendeten Werkzeuge sind die gleichen. Wenn du also weißt, wie man mit Werkzeugen umgeht, ist die Arbeit nicht schwierig. Mit technischen Fehlern und Ausfällen befasst sich der zuständige Techniker.

Stefanie: Wie geht es dir mit der deutschen Sprache?

Gabriel: Ich verstehe den Dialekt nicht wirklich. Wenn ich und die anderen Jungs, mit denen ich aus Spanien gekommen bin, erzählen, seit wann wir hier leben, sind alle überrascht, wie gut wir schon Deutsch sprechen. Daran klammere ich mich fest – an dem, was die Leute mir sagen. Einen anderen Vergleichsparameter habe ich nicht. Ich kenne Leute, die seit drei Jahren hier sind, und die nicht halb so viel wie ich oder meine Freunde sprechen. Um ehrlich zu sein, war der Kurs eine große Hilfe. Jeden Tag lernt man ein bisschen mehr. Meine Klassenkameraden sagen mir immer wieder: Du sprichst besser. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ich noch viel zu lernen habe. Aber gut, wir sind auf dem richtigen Weg.

Stefanie: Hast du Ziele oder Pläne für die Zukunft hier in Österreich?

Gabriel: Ja, die Ausbildung zum Facharbeiter ist mir wichtig. Sie gehört zu meinen Zielen, aber das Hauptziel ist es, die Sprache gut zu lernen. Das hat für mich Priorität. Ich möchte mich hier wohlfühlen und eine Zeit lang leben. Wie lange? Ich weiß es nicht – aber eine Zeit lang.

Stefanie: Was würdest du jemandem raten, der auch mit dem Gedanken spielt, nach Österreich zu kommen, um hier zu leben?

Gabriel: Ich empfehle es jedem, ich habe es sogar schon vielen Leuten empfohlen. Mit anderen Worten: Die Erfahrung ist super. Man verdient sehr gut, es ist ein Land, das viele gute Verbindungen zum Reisen hat. Wenn man gerne reist, kann man viele Orte kennen lernen. Und im Gegensatz zu dem, was alle denken und sagen, nämlich, dass das Leben hier viel teurer ist, ist das völlig unwahr. Es stimmt, es gibt einige bestimmte Dinge, die teurer sind, zum Beispiel ein Kaffee, aber das macht keinen Unterschied. Manche Dinge sind ein bisschen teurer als anderswo in Europa. Die Mieten sind, um ehrlich zu sein, billiger als in Spanien und man findet leichter eine Unterkunft. Ich bereue es überhaupt nicht, hierher gekommen zu sein.

Stefanie: Hast du einen Rat für Lehrlinge und Facharbeiter, die hierher kommen wollen?

Gabriel: Vertraut in den Prozess. Der Anfang ist schwierig. Er ist wirklich hart. Ich hätte mir diesen Rat gewünscht. In Ruhe lernen und daran glauben, dass man es schaffen kann. Am Anfang glaubt man nicht daran, manchmal erscheint es unmöglich, aber man kann es schaffen.

Stefanie: Bevor wir zum Ende kommen, habe ich noch ein paar kurze Fragen. Vergleiche zwischen Österreich und Spanien. Berg oder Meer?

Gabriel: Ach, das kommt darauf an. Im Sommer das Meer, im Winter die Berge.

Stefanie: Eine Leberkässemmel oder – in deinem Fall – Choripán?

Gabriel: Der Leberkäse hat mich echt überrascht, er ist lecker, ich liebe ihn. Ich denke, es ist eines der besten Dinge, die es hier zu Essen gibt, aber es geht nichts über ein Choripán.

Stefanie: Skifahren oder Schwimmen?

Gabriel: Skifahren. Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber Skifahren.

Stefanie: Ein Nickerchen oder Kaffee und Kuchen am Nachmittag?

Gabriel: Ein Nickerchen.

Stefanie: Ein Tinto de verano oder ein Radler?

Gabriel: Ich trinke keinen Alkohol.

Stefanie: Wien oder Madrid?

Gabriel: Wien.

Stefanie: Danke, dass du dir für das Interview Zeit genommen hast.

Gabriel: Gerne.

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